Der Schmetterling, fliegt er eines Tages davon?
von Nina Grote (Deutsch und Französisch)
In dem Garten eines wunderlichen Landes lebt ein kleiner Schmetterling. Sein Name ist Gérard. Er ist mager aber sein Flügel schimmert in allen Farben. Sein Flügel? Ja, ihr habt gut zugehört, KInder, er hat nur ein Flügel. Während die Sonne sich schlafen legt, sitzt Gérard auf einem Stein. Er weint. den Kopf auf seinen Flügel gestützt. Für seine Größe ungewöhnlich riesige Tränen- fließen in das Gras. Große Tropfen formen einen kleinen Fluss, der um den Stein von Gérard fließt. „Warum habe ich nur einen Flügel? Warum kann ich nicht wie die anderen davon fliegen?“ Die anderen Schmetterlinge haben ihn gehört und entdeckt. Sie fangen an, sich über ihn lustig zu macheni:„Ah Gérard, flennst Du mal wieder herum wie immer? Wieviele salzige Tropfen sind schon hinab gefallen? Wieviel Zeit hast Du schon mit weinen verbracht?“ Sie lachen und fliegen davon. Sie haben so herumgeschrien, das ein Vogel, genauso mager wie Gérard, sie hört:“ Gérard, hör auf zu weinen! Ich werde Dir helfen, ich verspreche es!“ Gérard schaut zu dem Vogel und glaubt seinen Ohren nicht zu trauen. „Lass mich in Ruhe...aber wie kannst Du mir helfen? Du verkaufst nicht Flügel zufällig?“ „Nein“, sagt der Vogel, „aber ich weiß die Lösung, dass dir einer wächst! Es ist eine magische Formel. Du musst nur jemanden finden, der Dich liebt und mit jenem zusammen die Formel sprechen, dann wächst dir ein Flügel aus der Schulter. Gérard blickt den Vogel ein bisschen verrückt an: “Du glaubst, ich finde jemanden, der mich liebt? Alle hassen mich hier.“ „Ja“, sagt der Vogel, „aber auf der Erde -weit weg von hier- , gibt es Kinder, die Schmetterlinge lieben. Du bist hübsch, Du hast Glück!“ „Bring mich dahin“, fleht Gérard und der Vogel schubst ihn auf seinen Rücken zwischen seine samtweichen Flügel. Dann verlassen sie den Garten in Richtung Erde. Sie reisen über die grosse Brücke, die zwischen den weichen Wolken bis zur Erde führt wo die kleinen Menschenkinder leben. „Da, wir sind angekommen!“ zwitschert der Vogel mit seiner kleinen Stimme. „Jetzt verstecke ich mich hinter diesem Fenster und Du gehst durch die kleine Ecke da hinein. Wenn du ein Kind findest, dass dich liebt, müsst ihr zusammen sagen: „Ich liebe dich wahnsinnig. Das ist alles.“ erklärt der Vogel und versteckt sich. Gérard folgt seinem Hinweis und betritt das Zimmer. „Es ist schwer“, schreit er, „ich befind mich ganz oben...ich muss klettern, ...ich habe Angst, dass ich falle... .“ Aber in diesem Moment erklingt ein Freudensschrei von einem Kind. Mit einem zarten Lächeln bewegt es sich auf Gérard zu, der vor Angst zittert. „Kleiner Magier, wie schön du bist, mein hübscher Schmetterling, mein Freund!“ Gérard verliert seine Angst und lächelt ebenfalls, stolz über all die Komplimente. Er geht auf das Kind zu. „Oh, hast du keine Angst, dass ich dich fange, vertraust du mir?“ Unser Schmetterling will gerade antworten, da fängt sein Herz zu schlagen an! Das Kind ist voller Liebe und wenn er seine Situation erklärte? Nein, sagt er sich. Er wird nicht sprechen. Das macht doch Angst, ein Schmetterling, der spricht! Also geht er auf die Hand dieses netten menschlichen Wesens und streichelt diese mit seinem weichen Flügel. Das Kind lacht vor Freude: „Hihi, das kitzelt, mein Schatz... .“ Gérard nimmt all seinen Mut zusammen und er versucht zu fliegen, doch er fängt nur von Neuem an zu weinen. Als das Kind die ganz kleinen Tränen auf seiner Hand spürt, sagt es zärtlich: “Oh, Tränen eines Schmetterlinges..., oh...ich...“ und Gérard sagt mit dem Kind: „Ich liebe dich wahnsinnig!“ Und wie durch ein Wunder wächst etwas Feines auf der anderen Seite seines einzigen Flügels. „Die Schmetterlinge sind unsere Seelen“, sagt das Kind träumerisch, „und ich habe meine gefunden!“ Gérard steht auf, er bewegt den neuen Flügel, dann... fliegt er im Zimmer wie ein ungeschickter Tänzer. Das Kind lacht, als er auf der Nasenspitze landet. „Weißt du“, ich glaubte nie, dass es Schmetterlings-Engel gibt, aber jetzt glaube ich es!“ Gérard antwortet schüchtern: „Du bist der Engel, weil Du mir das Leben gerettet hast. Ich habe dir vertraut und du hast mir nicht weh getan!“
... hier findest Du die Geschichte auf Französisch "Le papillon, s´envole-t-il un jour? " |