Oskar will fliegen
Geschichte mit Bildern von Amandine Descamps (Geschichte mit Bildern herunterladen) (Deutsch)
Es war einmal ein Ferkel namens Oskar. Es wohnte mit seinem Papa in einem kleinen, gemütlichen Haus am Rand des Waldes. Seine Mama war im Himmel. „-Warum kommt sie denn nicht runter ?“ fragte er eines Tages. - Sie ist viel zu leicht, Oskar“, antwortete der Papa. „Kaum angekommen würde sie sofort wieder in den Himmel fliegen, wie ein Luftballon. -Warum gehen wir dann nicht zu ihr ? - Das geht leider auch nicht, mein Kleiner. Wir sind zu schwer für die Wolken, auf denen sie wohnt. Erst in Jahren, wenn wir alt sind, werden wir auch so leicht wie sie, und dann werden wir für immer zusammen bleiben. Bis dahin passt sie von oben auf uns auf“. Oskar aber wollte seine Mama unbedingt jetzt besuchen, und nicht erst in vielen Jahren. „Wenn Vögel fliegen können, schaffen das vielleicht auch Schweine“, dachte er, und ging tief in den Wald hinein. Die Bäume waren groß und prächtig, es war Frühling. Vögel saßen auf den Ästen und sangen; manche waren dabei, ihre Nester auszubessern, andere flogen lieber hin und her und machten Pirouetten, und die Kleinere hörten fleißig ihre Mütter zu, die ihnen das Fliegen beibrachten. „Das klingt ja leicht, das kann ich auch“, beschloss Oskar und kletterte mehr schlecht als Recht, bis er hoch genug war. Da nahm er Anlauf, sprang und schüttelte die Hufen so schnell wie möglich. Einen Augenblick später lag er auf dem Boden und sein ganzer Körper tat weh. Die Vögel lachten über ihn als er vorsichtig aufstand und erschüttert nach Hause ging. Ein paar Tage später fiel ihm was Neues ein. Oskar holte sich ein paar bunten Ballons, die von seiner letzten Geburtstagsfeier übrig geblieben waren, und ging wieder in den Wald. „In den Himmel fliegen, wie ein Luftballon“, hatte sein Papa gesagt. Das müsste, das würde klappen. Er lief und lief, bis er zu einer Lichtung kam. Dort befand sich ein kleiner See. Er band sich die Luftballons an den Hufen fest und versuchte loszufliegen. Für einen Augenblick schien es zu klappen, doch noch nie haben Ballons ein Schwein in die Luft getragen. Oskar fiel in den See. „-Warum ist es so ungerecht ? Alle Vögelkinder haben ihre Mamas bei sich, sie haben fliegen nicht nötig. Ich aber brauche das unbedingt, und ich kann’s nicht !“ murmelte er weinend. „-da wo du hin möchtest, mein Junge, können auch die mächtigsten Vögel nicht fliegen. Das ist viel zu hoch“ flüsterte eine sanfte Stimme zu ihm. Oskar schaute sich um, und sah auf einem Ast einen prächtigen roten Vogel. „-Wer bist du denn ? - Mir hat noch nie jemand einen Name gegeben, also habe ich keinen“, antwortete der Vogel. „Hör zu“, fuhr er leise fort, „ich weiß was, was dir vielleicht hilft. Hier, nimm diese Federn, die stammen aus meinen Vorfahren und werden von Generation zu Generation liebevoll weitergegeben. Versuch’s mal damit“ Oskar bedankte sich und nahm die prächtigen Federn mit nach Hause. Sein Vater hatte von seinen Versuchen gehört und machte sich Sorgen um ihn. Drei Tage lang blieb Oskar in seinem Zimmer und rechnete, sägte, hämmerte, rechnete nochmal, ohne Ende. Am vierten Morgen, jedoch war er fertig. Er schlich sich leise aus dem Haus, diesmal nicht Richtung Wald, sondern zu den Feldern, wo ihn keiner suchen würde um ihn auszulachen. Er machte seine gebastelte Flügel auf seinem Rücken fest, nahm Anlauf und – flog los. Es klappte, endlich ! Vor Freude machte Oskar ein paar Loopings und blieb einen Augenblick in der Luft stehen. Was für ein wunderschöner Blick ! Die Wälder und Täler, die Flüsse und Felder, alles kam ihm so klein vor! Und sein Haus, da, am Waldrand, war ein winziges Punkt. Oskar flog immer höher und traf Vögel, zuerst viele kleine, dann immer größere, und immer seltener. Nach einer Weile war er alleine im blauen, stillem Himmel. Und da, ganz weit weg, da leuchtete was, was immer näher kam. Oskar flog hin, das Herz voller Erwartung, bis er seine Mama erkannte,auf einem großen weißen Wolken. Oskar kuschelte sich ganz dicht an seine Mama. Er hatte sie so vermisst ! Er hatte so viel zu erzählen ! Seine Mama war sehr stolz darauf, wie gross und mutig ihr Sohn geworden war. Beide plauderten stundenlang, bis es für Oskar Zeit wurde, wieder nach Hause zu fliegen. Beim Abschied versprach er, dass beim nächsten Mal der Papa auch mitkommen würde.
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